ohne Titel (2013)


Daniela Stöckli radiert, komponiert mit Farbe, mit ungegenständlichen Formen. Sie entwickelt ihre Drucke in der Regel von Blatt zu Blatt weiter indem sie die Druckplatten erneut bearbeitet, neu kombiniert und neue Farbnuancen findet. Diese prozessuale Arbeitsweise führt zu Bildserien von überraschender Vielfalt und Experimentierfreude. Der Auftrag des Kunstvereins Oberwallis, sich auf eine limitierte Auflage von max. 2 Variationen zu beschränken war daher eine besondere Herausforderung für sie. Entstanden sind nun zwei Jahresblätter: dieselben Druckplatten in zwei Farbvarianten. Nach der Fertigstellung dieser blau-roten Serie wurden die verwendeten 3 Druckplatten zerstört.
Die beiden Aquatintaradierungen mit Kaltnadel tragen keinen Titel. Wie immer verwendet Daniela Stöckli Formen die an locker gemalte geometrische Figuren erinnern. Es entsteht bisweilen Raum für gegenständliche Assoziationen. So mag man an eine Leiterform in der rechten Bildhälfte erinnert werden. Diese hat keinen gegenständlichen Hintergrund sondern stabilisiert die linke grosse und dominante Farbfläche. Dazwischen öffnet sich ein lichter Raum mit kleinen, spielerischen Zeichenelementen. Sie beleben und durchbrechen die Strenge der Komposition. Die Bildelemente begegnen sich ausgewogenen zueinander und vermitteln eine grosse Ruhe. Hier steht Schwer gegen Leicht, Hell gegen Dunkel und diese Gegensätze ruhen auf einem soliden Dreiklang aus Farbe als horizontaler Basis. Beide Varianten, die Kühlere in Blau und die Wärmere, an Steinstrukturen erinnernde Variante in rostroten Farbtönen zeigen auf anschauliche Weise die je unterschiedliche Anmutung gleicher Form bei umgekehrter Farbe. Beide Radierungen sind dabei so eigenständig, dass sie nicht zwingend als Diptychon gesehen werden müssen.

Daniela Stöckli-Kolly, *1958 St. Ursen begann 1992 mit ihrer künstlerischen Ausbildung. Sie begann ihr Schaffen mit Bleistiftzeichnungen, bevor sie sich mit Malerei erst in Freiburg bei Helena Oeschger , dann in Grindelwald bei Adolf Flückiger und schliesslich in der Schule für Gestaltung in Bern bei Fausto Sergej Sommer beschäftigte. Ab 1993 widmete sie sich ebenfalls in derselben Fachschule dem Hochdruck bei Werner Maurer und Martin Thönen, später auch dem Tiefdruck bei Ursula Jakob. Seitdem nutzte sie regelmässig die Werkstätten der Berner Hochschule für Künste um zu radieren. Seit Januar 2013 druckt sie im Gemeinschaftsatelier „Trait Noir“ und malt im eigenen Atelier in Freiburg.