morgen vielleicht (2011)

Wer in den Bergen lebt, kennt die langen dunklen Winter, das Warten auf den Frühling. Die langen Schatten, die im Tal erst spät am Tag verschwinden und früh am Abend zurückkehren. Der Sonnenaufgang wandert im Lauf des Jahres den hohen Horizont der Bergketten entlang. Und dann ist es endlich so weit und der erste Sonnenstrahl findet den Weg wieder bis zum Talgrund, bis zum Haus. Jeder der länger hier lebt kennt diesen Tag, wartet und sucht mit der geschwärzten Glasscheibe vor den Augen den Moment zu erleben, in dem die Sonne wieder genau über den Gipfel des „Horu“ kommt. Welcher Gipfel das ist, hängt ganz davon ab, wo im Tal der Betrachter lebt. Jeder hat ‚sein Horu‘, welches ihm zeigt, wann die Zeit der langen Schatten wieder einmal überwunden ist. In einem delikaten Spiel von Licht und Schatten entwirft Gustav Oggier ein typisches Walliser Szenario. Die feine Aquatinta zeichnet in verschiedenen Grau - Schwarztönen eine differenzierte Landschaft. Räumliche Tiefe und Nähe, Licht und Dunkelheit finden sich gleichermassen in dem kleinformatigen Blatt. Obwohl schwarz dominiert, handelt das Bild vom Licht und zeigt dieses auf eindrückliche Weise.


Gustav Oggier

Geboren 1949 in Turtmann
Nach der Malerlehre besuchte er die Kunstgewerbeschule in Bern (1969- 1971) und erlernte danach bis 1974 das Handwerk des Restaurators bei Walter Furrer in Visp. Er unterrichtete seit 1974 als Zeichnungslehrer in der Orientierungsschule in Leuk-Stadt. Gleichzeitig widmet er sich der freien Kunst. Es entstehen Druckgrafiken, Kleinplastiken, Skulpturen und seit 1985 Werke im öffentlichen Raum. Seine Arbeiten sind geprägt von einem tiefsinnigen Humor, einer Lust am Spiel und der Überraschung. Seit 1977 zeigt Gustav Oggier seine Arbeiten regelmässig in Einzel- und Gruppenausstellungen. 1980 erhielt er den Alfred Grünwald Preis. Gustav Oggier ist Mitglied der visarte.