Alfred Grünwald

Alfred Grünwald Maler, 1929 -1966

Retrospektive zum 50. Todestag

Folgende Quellen waren Grundlagen für diese Ansprache:
  • Das Buch «Alfred Grünwald, der Mensch, das Werk, die Stiftung» erschienen 1976, zehn Jahre nach seinem Tod
  • Seine Bilder
Die Entwicklung in Alfred Grünwalds Kunst präsentiert sich auf den ersten Blick als unsteter Rythmus. Was nicht erstaunt, da er sehr jung, 37jährig, gestorben ist. Aber, dank dem Beitrag des Kunsthistoriker Walter Ruppen, in oben genanntem Buch, verfügt man seither über einen sehr guten kunsthistorischen Überblick.

Die Bilder in dieser Ausstellung sind thematisch angeordnet. Obwohl nicht bewusst in chronologischer Reihenfolge aufgehängt, hat sich vom Stil her eine gewisse Chronologie aufgedrängt. So sind zum Beispiel im grossen Saal die Bilder an der Eingangs-Wand und an den beiden Stirnwänden (Porträt eines Jünglings, Glishorn, die beiden Atelieransichten, die Stilleben) aus seiner ersten Schaffensperiode, den frühen 50ziger Jahren, als Grünwald erstmals mit seinen Werken in die Öffentlichkeit trat. Ein expressiver pastöser Pinselstrich, eine kühne Farb- und Formgebung entsprechen der Malkultur dieser Zeit.

Grünwald entschied sich schon früh für eine Künstlerkarriere und das im Wallis der Nachkriegsjahre! 1946 zieht er 17jährig nach Milano, zuerst an das Kunstlyzeum Beato Angelico und dann an die Accademia di Belle Arti Brera in Milano. Er kommt zurück, macht die Rekrutenschule und geht dann nochmals 2 Jahre nach Paris an die Beaux-Arts und die Académie Grande Chaumière. Er hat der damaligen Zeit entsprechend eine Ausbildung der klassischen Moderne genossen. Was sich auch in den ersten expressiven Arbeiten wiederspiegelt, in der Aktmalerei, den Portraits, den Landschaften, den Atelieransichten, den Stilleben.

Grünwald war ein Schnellmaler, lange an einem Bild herumkorrigieren lag ihm nicht. Auch war er stetig am Skizzieren, er liebte die Geselligkeit, er spielte Theater, er sang im Kirchenchor. Was er abbildete, waren seine Mitmenschen. Somit ist Grünwald natürlich ein grossartiger Zeuge seiner Zeit. In dieser Ausstellung wird den Frauenporträts, den Bildern Frau mit Kind und Familie ein besonderer Platz gewidmet. Teils sind es Portraits junger Frauen aus den 50zigern, Anfang 60zigern Jahren mit «hochtoupiertem» Haar, teils Mütter die die Haare bereits kurz tragen, teilweise Frau mit Kind sogar in Freizeitpose. Er bildete eine Zeit ab, als die «Moderne» im Wallis Einzug hielt. Auf drei der Bilder sind seine Schwestern abgebildet. Eine seiner Schwestern war Nonne in einem geschlossenen Kloster in Frankreich, daher die beiden Bilder im Treppenhaus.Im grossen Saal auf Bild 12 befindet sich eine andere seiner Schwestern mit Kind.

1953 erhält Grünwald ein eidgenössiches Kunststipendium. Er zieht nochmals nach Paris, wo er im Atelier Bony die Glasmalerei erlernt. In den Ateliers Bony und Duchemin haben auch Henri Matisse und Georges Rouault ihre Kirchenfenster herstellen lassen. Diese beiden Künstler werden in den kommenden Jahren einen grossen Einfluss auf die Arbeiten von Grünwald haben. Aber ehe er seinen ersten Auftrag für die Kirchenfenster der Kirche Albinen erhält, reist er nochmals nach Italien, diesmal Florenz, an die Kunstakademie Bel Arti, studiert dort Porträtmalerei und Lithografie. Zurück aus Florenz malt er seine schönsten Porträts von hoher Expressivität.

Es folgen Jahre, die frühen 60ziger, in denen er mindestens einmal jedes Jahr einen grösseren Auftrag erhält, sei es für Kirchenfenster, sei es für Wandfreskos oder Wand-Keramikdekorationen. Während dieser Zeit erlebt er einen Einbruch des Religiösen. Stark beinflusst von Georges Rouault, «verschrieb er sich den dämonisch-chaotischen Kräften der Farben» (Zitat Walter Ruppen) und die Bibel, vor allem das Alte Testament wurde ihm zum unerschöpflichen Fundus. Zahlreiche seiner Sujets sind jetzt von christlichen Themen und Fragestellungen bestimmt. (Alter Werkhof: Sturz der Erzengel, Saulus und der Tod, Elias Himmelfahrt)

Aber auch Henri Matisse hat ihn beeinflusst. Von ihm übernimmt er die leuchtenden reinen Farben und das Körperliche, das ins Flächige umgesetzt wird. In der Glasmalerei sucht er die Harmonie durch eine flächige Abstraktion des Hintergrunds vor den er christliche Symbole und Figuren in vereinfacheten Formen stellt. Stark beinflusst wurde er durch den Schweizer Maler Ferdinand Gehr, dessen Stil sich kennzeichnete durch klare reduzierte Formen und gewagte Farbkompositionen. Gehrs Werke begeisterten moderne Architekten und empörten konservative Kreise. Während Jahren bewahrten Vorhänge die Kirchgänger vor dem vermeintlich glaubenser-schütternden Anblick seiner Fresken in der Bruderklausen-Kirche in Oberwil am Zugersee. Grünwald reiste nach Oberwil um diese Fresken hinter den Vorhängen zu betrachten. Denn auch die Kirchenfenster von Alfred Grünwald stiessen bei der lokalen Bevölkerung hin und wieder auf Unverständnis. Diese neue sakrale Sprache war sicher für ihn eine grosse Herausforderung. Was auch sein Ausprobieren verschiedener Einflüsse grosser Meister erklärt. Im Alten Werkhof an der Wand links vom Eingang hängen eine Reihe Bilder, eher flächig, in denen ein Blau, fast Kobaltblau dominiert. Hierbei wurde Grünwald sicher von Matisse beeinflusst. Am hinteren Teil derselben Wand ist der Einfluss von Chagall deutlich erkennbar.

Die Zeit in der Alfred Grünwald die Glasfenster der Kirchen Albinen, Hohtenn, Eggerberg, der Pflegerinnenschule Visp, der Spitalkapelle Brig, und des Professorenhauses Kollegium Brig anfertigte, waren auch die Zeiten im Oberwallis als viele Dörfer neue Kirchen und Schulhäuser benötigten. Grünwalds Atelier befand sich im Nebenhaus des Adele von Stockalperhauses gegenüber dem Schloss. In diesem Haus befand sich auch das Atelier des Bildhauers Hans Loretan. Die beiden Künstler ergänzten sich hervorragend und arbeiteten an manchen Orten gemeinsam. In einem Zeitungsinterview äussert sich Alfred Grünwald abweisen in Bezug auf die abstrakte Kunst. Seine Glasmalerei, so wie seine jüngsten Bilder (im grossen Saal an der hinteren Wand: Robinson, Pfynwald, Simplonlandschaft) deuten aber darauf hin, dass er eigentlich von der Abstaktion nicht weit entfernt war. Als moderner Maler wäre er, hätte er länger gelebt, höchstwahrscheinlich nicht daran vorbeigekommen, diese Ausdrucksweise zu experimentieren.

Denn leider starb Alfred Grünwald 1966, kurz nachdem er mit Hilfe des Kunstmalers Willi Dreesen die Arbeiten des Wandfreskos der Kapelle Jeizinen beendete.

Monique Rubin, Kunstvermittlung KunstvereinOberwallis, 17.9. 2016