Ausstellung Peter Stoffel / Rolf Graf
Brig, Alter Werkhof, 3. – 30. November 2014

aus dem Zentralmassiv

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Peter Stoffel studierte an der école supérieure d’art visuel in Genf, wo er seitdem lebt und arbeitet. Er wurde mehrfach mit dem Appenzeller Kulturförderpreis (1997, 2003 und 2008) ausgezeichnet, mit Atelierstipendien der Stadt Genf (2003, 2006 und 2007), sowie zwei mal mit dem Swiss Art Award (2002 und 2003). Die Ausdrucksform von Peter Stoffel sind Malerei und Zeichnung. Er malt abstrakte Landschaften, Gesteine, Kristalle. Er zerlegt die Landschaften, überlagert die einzelnen Elemente und setzt sie wie in einem Patchwork wieder zusammen. So erschafft er neue Zusammenhänge und Welten. Seine oft riesigen Bildformate scheinen den Bildrand zu sprengen und wachsen fast in den Raum hinein.

Rolf Graf studierte ebenfalls an der école supérieure d’art visuel in Genf und an der Kunstakademie Düsseldorf. 2002 erhielt er ein Jahres-Stipendium für das Schweizer Institut in Rom. Danach zog es ihn nach Berlin wo er inzwischen lebt und arbeitet. Seine Arbeit ist in Deutschland und der Schweiz präsent. Wichtige Ausstellungen fanden in der Kunsthalle Düsseldorf statt und in der Schweiz unter anderem im Kunstmuseum Solothurn (2000), im Kunstraum Kreuzlingen (2002) und in der Galerie Susanna Kulli, St. Gallen (2001/03). Rolf Graf arbeitet in verschiedenen Bereichen: Installation, Fotografie, Video, konzeptuelle Kunst aber auch als Herausgeber von Künstlerbüchern. Er betrachtet die Welt die ihn umgibt sehr genau und präsentiert in seinen Arbeiten überraschende Blickwinkel, die oft mit seiner eigenen Biografie zu tun haben.

Der Name „Zentralmassiv“ verweist einerseits auf ein Zentrum, zum anderen auf ein Fundament. Die Künstler spielen mit dem Wortsinn. Er ist ihnen ein Bild für ihre zentrale Frage: wer bin ich, wo positioniere ich mich und meine Kunst, in diesem Raum, in meiner Geschichte, in meinem Denken und Fühlen? Es geht um genaue Wahrnehmung und Ortsbestimmung. Gerade in dem grossen Raum des Werkhofes wird der Bezug zum Ort deutlich. Das Gemälde von Peter Stoffel nimmt die gesamte Wandfläche ein. Die gemalten Strukturen wuchern bis an den Bildrand und könnten so unendlich weiterwachsen und schliesslich auf den ganzen Raum übergreifen. Rolf Graf reagiert auf den Raum mit einer Installation die den ganzen Raum ausmisst, ihn beschreibt und umschreibt. Er setzt mit seinem Mobile, welches er als Anker bezeichnet, ein Gegengewicht. Er lotet den Raum aus und greift die Bewegung im Bild von Peter Stoffel und der Architektur des Werkhofes auf.

Der grosse „Anker“ verbindet alltägliche Elemente die üblicherweise nichts miteinander zu tun haben, aber Verbindung haben zur Walliser Kultur: Kuhglocken, ein Stein wie ein Kristall, eine glitzernde Girlande die an den Schmuck der Tiere beim Alpabtrieb erinnern. Das Glitzernde in der Installation und auch die Lichtpunkte in der Malerei erinnern an eine Schatzsuche. Die Tradition des „Strahlens“ ist im Wallis bekanntlich fest verwurzelt.

Um diese Bilder und Installation zu erfassen, muss man in jedem Fall die eigene Position verändern. Sonst kann man die Vielschichtigkeit des Gemäldes von Peter Stoffel nicht ergründen. Und man muss sich um die Gewichte und Leichtgewichte der Installation von Rolf Graf herum bewegen, einen Platz suchen, an dem man sich selber verankern möchte.

Im zweiten Raum präsentieren die beiden Künstler Fotoarbeiten und Zeichnungen mit denen sie die Ortsbestimmung und die Suche nach dem Ursprung ihrer künstlerischen Wurzeln fortsetzen. Es sind Fotoarbeiten die einen dokumentarischen, wissenschaftlichen Charakter haben. Sie zeigen in Kisten verpackte Mobiles oder machen das Schmelzen von Eis sichtbar. Die Zeichnungen auf Landkarten von Peter Stoffel zeigen seine Beschäftigung mit der Topografie. Er stellt darin neue Zusammenhänge her und findet so zu geometrischen Formen. Die Suche nach dem Grund der Dinge führt er fort in Zeichnungen von Höhenlinien und kleinsten Strukturen, den Fraktalen.

Zusammenfassend kann man sagen, die beiden Künstler sind auf einer Suche nach ihrer Position in der Welt, in der Umgebung, in der sie leben, den Einflüssen, denen sie ausgesetzt sind und aus der ihre künstlerische Formsprache hervorgeht.

Die Ausstellung ist eine Einladung an jeden Besucher, seine Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und sich ebenfalls auf diese Suche zu begeben.

Anette Kummer, November 2014