AUSSTELLUNG DER BEGÜNSTIGTEN der KANTONALEN SCHAFFENSBEITRÄGE 2012

Ausstellungsdauer: 3. bis 18. November 2012
Öffnungszeiten: Mi-So von 15.00 bis 18.00 Uhr


Jedes Jahr vergibt die Dienststelle für Kultur 4 Schaffensbeiträge an Künstler aus den Bereichen visuelle Kunst und Design. Die Künstler wurden im Frühjahr von einer Jury ausgewählt. Bei den diesjährigen Preisträger handelt es sich um 2 Ober- und 2 Unterwalliser:

Matthieu Barbezat, Marco Breu, Olivier Lovey, Stefanie Salzmann.

Matthieu Barbezat, Künstler
"Mit seinen monumentalen Interventionen, die er zeitlich verschoben und in verschiedenen Örtlichkeiten herstellt, nimmt Mathieu Barbezat Räume in Beschlag, seien sie jetzt üffentlich oder privat. Ein Bild auf Leinwand, das der Künstler zuerst in seinem Atelier schafft, ist der Ausgangspunkt für eine spätere "in situ" Installation, einem neuen Ganzen bearbeitet am Ausstellungsort. Als erstes wird hierzu oft die "Leinwand aus dem Atelier" ganz einfach auf den Boden gestellt. Dann beginnt der Integrationsprozess mit dem Raum. An Pflanzen erinnernde Ornamente auf der gemalten Leinwand greifen über auf die Wände, den Boden, die Zimmerdecke. Der Künstler mischt allmüglich Techniken und Materialien und erweckt damit einem Dialog zwischen Tradition und Zeitgenüssischem." (übersetztes Zitat aus der Homepage des Künstlers von Diane Antille, Kunsthistorikerin)

Marco Breu, Künstler
In der Ausstellung in der Galerie zur Matze präsentiert Marco Breu drei Arbeiten. Er nimmt dabei Bezug zum Ausstellungraum. Diese Ortsspezifik stellt einen wesentlichen Anteil seiner Arbeitsweise dar: Die Galerie zur Matze befindet sich im Keller des Stockalperschlosses, einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Breu inszeniert dort eine Keller / Kerkersituation, will heissen: kein Tageslicht und geschlossene Räume. Ausgehend von einer Beschreibung eines Folterraumes im Roman "der Fall" von Albert Camus hat er diesen als Objekt rekonstruiert: Entstanden ist ein Hybrid mit den Aussenwänden eines Schiffcontainers und den Innenmassen eines Ungemachs. Ein Ungemach ist ein Unort im Gefängnis, in dem man weder stehen noch liegen konnte, sondern nur in der Hocke zubrachte. Breu nennt diese Arbeit "Little Ease" was auf Englisch eine praktizierte Foltermethode bezeichnet bei der der Gefangene in eine sehr kleine Zelle oder ein Loch eingesperrt wurde, in dem er weder stehen noch liegen konnte. Die zweite Arbeit Marco Breus stellt eine Kartonschachtel mit Ubu Masken dar. Wichtig ist ihm eine anhaltenden Auseinandersetzung mit dem "Theater des Absurden", den Surrealisten und somit auch mit dem Schriftsteller Alfred Jarry. Letzterer spielt als Gründungsfigur der Moderne und der Pataphysik mit seiner Theaterfigur "Ubu Roi" eine zentrale Rolle. Die dritte Arbeit ist eine grosse weisse Leinwand, ein Gemälde, in das mit fünf Schnitten U-fürmige Schlitze eingefügt wurden. Der Titel der Arbeit "Flag" basiert auf den Luftschlitzen, die das Zerreisen einer Flage durch den Wind verhindern soll. Gesehen in den Strassen von New York.

Olivier Lovey, Fotograf
In seinen fotografischen Arbeiten stellt Olivier Lovey ausserordentliche Dinge her, denn sie erlauben ihm Bilder zu schaffen, die es nicht gibt. Was dazu führt, dass diese Photographien eigentlich ein Verrat an den Personen sind, die ihm Modell stehen.
In der Serie "We are Men", "Wir sind Menschen", hingegen sind die Modelle diejenigen, die "ausserordentlich" sind. Die absolut neutrale und einfache Form der Präsentation dieser Photographien unterstreicht die natürliche Doppeldeutigkeit der Modelle welche geschlechtlich nicht eindeutig einzuordnen sind. Die Portraits in natürlicher Grüsse, 60 x 90 cm sind eingerahmt und aneinandergereiht wie in einer Ahnengalerie. Indem sie die Verwirrung und Verwechslung zwischen Mann und Frau heraufbeschwüren, brechen diese Portraits mit der herkümmlichen sexuellen Zweigliederung in männlich und weiblich.

Stefanie Salzmann, Modedesign
"Vertrauen sie niemals allgemeinen Eindrücken, mein Lieber, sondern konzentrieren sie sich auf Einzelheiten." Die Methode, mit der Sherlock Holmes seine Fälle lüst, interessiert sie als Designerin. Der Kommissar findet auch dort Spuren und Verdachtsmomente, wo nichts auf der Hand liegt und klar erscheint.
Die hier präsentierte Kollektion "Irene Adler" entstand ausgehend von Referenzen aus dem Genre "Film Noir". Kleider, die sich schnell über die Schulter werfen lassen, inspiriert von Charakteren auf der Flucht, die Thematik der Schatten auf den Kleidern, die durch dreidimensionale Elemente verstärkt werden oder Lasercuts, die ein Spionieren in das Innere einer Jacke oder Hose müglich machen. Die Kollektion wird in der Ausstellung bewusst so arrangiert, wie dies auch in einem Showroom der Fäll wäre. Der Betrachter soll sich mit der Materialität auseinandersetzen und so einen Zugang finden.