tragBARe Kunst 2016

Einen Einblick in die Walliser Kunst zu geben mit Werken verschiedener Künstler, ist der Grundgedanke dieser Ausstellung und dass die Werke kleinformatig sind und somit in die eigens dafür vorgesehene Tasche gesteckt, bar bezahlt und mitgenommen werden können. Diese Form der Ausstellung besteht seit 2010 und wurde seither beständig angepasst.

Antonie Burger

Bevor ich mit Ihnen kurz durch die Ausstellung gehe und ein paar Worte zu den Werken und ihren Künstlern sage, möchte ich Ihnen mitteilen, dass Ende Juli einer der hier ausstellenden Künstler, Antonie Burger, leider verstorben ist. Als Zeichen der Anteilnahme und der Anerkennung möchte ich mit Ihnen gemeinsam einen Moment innehalten, um Antonie Burger zu gedenken. Danke!

Antonie Burger war gebürtiger Holländer und nach seiner Ausbildung an der Grafischen Schule in Amsterdam bereiste er verschiedene Länder Europas, wo er jeweils als Grafiker tätig war. Seit über 40 Jahren lebte und arbeitete er in der Region Siders. In seinen Werken steht hauptsächlich der Mensch im Mittelpunkt. Allein, zu zweit oder in der Gruppe dargestellt, wirkt er in sich, in die eigene Welt gekehrt, zart und melancholisch. Jedes Bild strahlt in sich eine Harmonie und Innigkeit aus. Für seine farbigen Zeichnungen hat der Künstler Deckel und Böden hölzerner Käseschachteln benutzt und diese in Acryl eingerahmt.


Christine Zwicky-Lehmann

Christine Zwicky-Lehmann, geboren in Bern und ausgebildete Primar-und Werklehrerin hat sich später der Kunst zugewendet. Sie absolvierte Kurse an der Ecole des Beaux-Arts in Sion und Sierre und hat sich in den verschiedenen Gebieten der bildenden Kunst in der Schweiz und in Deutschland weitergebildet. Seit Jahren stellt sie immer wieder in Galerien aus. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Savièse und führt dort zudem ein Malatelier für Erwachsene. Diese hier ausgestellte Serie trägt den Titel „Terre Valaisanne“. Terre Valaisanne hat eine doppeldeutige Auslegung, jene der Erde, des Bodens als Materie und jene des Landes oder der Landschaft Wallis. Mit einer Mischtechnik aus Acryl, Sand und Steinmehl aus dem Wallis, erschafft Christine Zwicky- Lehmann Werke, die in vielschichtigen, erd-und naturfarbenen Tönen diese Walliser Erde aufzunehmen zum Ausdruck zu bringen vermag, so wie sie die Künstlerin sieht, erlebt und empfindet. Die Worte, die sie mit den Bildern verbindet, möchte ich Ihnen gerne vorlesen:

„Vom Berg ins Tal
vom Stein zum Sand
vom Wasser gertragen


warten....
mit Ruhe und Geduld....

Licht und Schatten lassen das Bild entstehen.


Herbert Theler

Herbert Theler in Eggerberg geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet in Visp. Sein Ursprung der Kunst liegt im handwerklichen Malen, jedoch immer schon mit künstlerischem Anspruch. Nach diversen Kursen im Zeichnen und Malen an der Schule für Gestaltung in Bern und seit Aufgabe seines eigenen Geschäftes widmet er sich ausschliesslich der künstlerischen Arbeit. Seither stellt er regelmässig aus und ist bei Gruppenausstellungen in der ganzen Schweiz vertreten. Herbert Theler ist stark im Wallis verwurzelt und mit dessen Natur und Landschaft sehr verbunden. Dies kommt immer wieder in seinen Werken zum Ausdruck, ist deren Thema doch immer aus der Natur gegriffen, seien Eindrücke aus dem Wald oder Betrachtungen ganzer Landschaften. Experimentierfreudig probiert er viele Techniken aus. So präsentieren diese hier ausgestellten Werke die Serie „Waldwegs“. Die Sujets stammen von Fotos des reichhaltigen Fotoarchivs des Künstlers. Er benutzt in allen Bildern dasselbe Motiv auf verschiedenem Hintergrund und verbindet mit der Kunst des Siebdruckes die Drucktechnik mit der Fotografie. Herbert Theler schafft damit eine neue Dimension der Wirklichkeit, weg von Fotorealismus und doch geht die Gegenständlichkeit nie ganz verloren. Mit dem Spiel der Farben gelingt es ihm, den Betrachter immer wieder ganz verschiedene Stimmungen der Natur spüren zu lassen.


Anne-Chantal Pitteloud

Anne-Chantal Pitteloud, anfänglich im Gebiet der Architektur zu Hause, hat sich später der Kunst der Keramik verschrieben. Nach Studien an der Ecole Cantonal d’Art du Valais in Sierre und an der Ecole supérieur des Art Decoratif in Strassburg folgten diverse Praktika bei Keramikern in Frankreich. Seit 10 Jahren arbeitet sie im Ferme-Asile in Sion und stellt regelmässig in der Schweiz und in Frankreich aus. Anne-Chantal Pitteloud’s Interesse gilt insbesondere der Anatomie, der Geographie und Geologie. Sie ist viel auf Reisen, was für sie wichtig ist, denn dies ermöglicht ihr, sich in verschiedenen Welten zu bewegen und ihre Eindrücke und Lebensspuren in der Natur zu sammeln. Indem sie diese mit Zeichnung, Video, Fotografie und Schrift mit Keramik verbindet und zum Ausdruck bringt, schafft sie eine Sammlung von Objekten und Beweisstücken einer imaginären, seltsam vertrauten Welt. Jede Installation, wie auch diese hier der „Tondos“ ist eine neue Reise durch die Zeit, die jedoch in einer jetzigen Wirklichkeit angesiedelt ist.


Bernadette Duchoud

Bernadette Duchoud ist in Crans sur Sierre geboren und lebt und arbeitet in der Region von Sierre. In mehrjährigen Kursen an der Kunstgewerbschule in Zürich entdeckte sie die Technik der Druckgrafik. Nach Zeichnungen, Aquarell- und Ölmalerei, konzentriert sie sich nur noch auf die Grafik in ihrem eigenen Atelier. Diese hier ausgestellten Arbeiten sind Büchlein der anderen Art. Der Stift wird durch Nadel und farbigem Faden ausgetauscht und mit Tinte, Aquarellfarben und Farbstiften kombiniert, so dass verschiedene Geschichten entstehen. Zum Teil finden sich darin zusätzlich Texte von Dichtern vor, welche die Künstlerin mit ihren Stickereien visualiert.


Kilian Mutter

Kilian Mutter ist in Naters geboren und hat die Schule für Gestaltung in Bern besucht. 1990 hat er den Förderpreis der Grünwaldstiftung in Brig bekommen. Seither hatte er hauptsächlich im Raum Bern und Wallis verschiedene Einzelausstellungen und war auch an diversen Gruppenausstellungen vertreten. Kilian Mutter lebt in Wohlen bei Bern.

Seine Bilder sind farbig, oft lebhaft und abstrakt. Diese hier ausgestellten Werke beziehen sich auf ein Gedicht des deutschen Lyrikers Günter Eich mit dem Titel Halali, was bedeutet: auf zur Jagd, die Jagd ist eröffnet. Gerne lese ich es Ihnen vor:

„Stolz wären sie,
wenn sie erlebten
Wir wollen die Wale feiern
und die Harpune,
die den letzten trifft.


Manche waren weiss,
alle klug,
wir geben ihnen ein Fest,
mit einem Sprengsatz,
der im Körper zündet.


Wir haben den Tod nicht erfunden,
aber er ist brauchbar.“


Josef Loretan

Der aus der oberwalliser Künstlerfamilie stammende Josef Loretan lebt und arbeitet in Bern. Nach einer Grafikerlehre und einem Praktikum als Steinbildhauer in Emmen, vertieft er sich in die Bildhauerei an der Schule für Gestaltung in Luzern. Im darauf folgenden Auslandstudium an der staatlichen Kunsthochschule Frankfurt am Main kann er sein Profil weiter schärfen. Josef Loretan erschafft zahlreiche Werke im öffentlichen Raum und zeigt seine Arbeiten an verschiedenen Ausstellungen im In-und Ausland. Breite Beachtung finden seine „Veloglocken“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt im Rahmen des Projektes „Playing the City“ im Jahre 2010.

Die Glocken in dieser Ausstellung sind die Fortführung seines Projektes „Der Klang des Simplon“, eine Aktion, die 2014 im mediterranen und alpinen Raum durchgeführt und gefilmt wurde. Im entstandenen Video wurden die künstlerischen Genres Plastik und Performance mit Klang und magisch-poetischen Bilder zu einem Gesamtwerk verwebt. Der Künstler hat die Original-Eselsglocken abgeformt und in deren Abdruck mehrere Porzellanglocken gegossen. Die Glockenform basiert auf einem Stahlstich vom Simplon aus dem Jahre 1832. Die gestochene Silhouette der Berge gab den äusseren Umriss der Glocke vor, welche anschliessend mittels Schablone in Gips gedreht wurde, danach in Bronze gegossen und schliesslich spiegelverchromt. Diese Porzellanglocken sind unterschiedlich glasiert und jede Glocke hat eine andere Klangfarbe.


Sigi Gertschen

Sigi Gertschen ist in Brig aufgewachsen und hat sich nach einem Philosophie -u. Germanistikstudium an der Schule für Gestaltung in Basel weitergebildet. Nach anfänglich textilen Arbeiten widmet sie sich seit 20 Jahren freischaffend der Malerei und Mischtechnik. Sie beschäftigt sich in ihrer Kunst mit Abfallprodukten und deren Wiederverwertung. Sie sammelt Verpackungsabfälle aus Plastikfolien und entwickelt Techniken, durch welche sie ihren Abdruck auf unterschiedlichen Bildträgern hinterlassen. Bei diesen Bildern überträgt sie Acryl und Pigmenttusche auf Klarsichtfolie und taucht in die noch nasse Farbe Plastikschnipsel ein. Sichtmäppchen im Hintergrund lassen typische Plastikfarbtöne durchscheinen. So entstehen seltsam anmutende Fantasiegebilde. In der Tat bezieht sich die Künstlerin auf Kapitän Nemo aus dem Science-Fiction Roman „20tausend Meilen unter den Meeren, welcher von Jules Vernes im Jahre 1870 geschrieben wurde. Es sind dies die phantastisch wirkenden Unterwasserwelten, die Kapitän Nemo durch das Salonfenster seines hochtechnisierten Unterwassergefährtes betrachten kann.