Gustav Oggier

„Als Wortmensch, der mit Schreibzeug und Papier herumwerkt, sprechen mich die Arbeiten mit sprachlichen Bezügen besonders an. Der grosse rote Bleistift mit dem Knoten zum Beispiel. Er verweist für mich auch auf die vielgefürchtete Schreibblockade, ein Horror für jede Schriftstellerin. Und jeden Schriftsteller. Damit die Schrift fliesst, muss der Knopf erst aufgehen. Dieser rote Bleistift schreibt auch mit Knoten, aber wir müssen, wegen seiner ungewohnten Grösse, beide Hände zu Hilfe nehmen - eine Anspielung an den Kraftakt, der jedem künstlerischen Produkt, sei es eine Zeichnung, ein Text oder ein Druck, innewohnt. Gusti Oggiers Bleistift zwingt uns, körperlich aktiv zu werden, was uns bewusst macht, dass jeder Schreibakt ein Einsatz ist, der neben geistiger auch körperliche Energie fordert.
So veranlasst der rote Bleistift, über Wert und Dimension planerischer oder künstlerischer Arbeit nachzudenken- oder auf ihr Fehlen aufmerksam zu machen. Denn übersetzt bedeutet den Rotstift ansetzen ja auch, dass gespart werden soll, was nicht nur auf einen Mangel, sondern oft auch auf eine falsche Rechnung verweist. Wo mit dem Rotstift hantiert wird, kommen meistens die zu kurz, die sich ohnehin schon mit dem kleinsten Budget zufrieden geben müssen, was einem auf die Idee bringt, die Verantwortlichen hätten einen Knopf in der Leitung. Oder, wie in einem anderen Werk veranschaulicht wird, ein Brett vor dem Kopf.“

(Aus der Laudatio von Christine Pfammatter, Schriftstellerin)